Kacke im Bundestag

Am Freitag, den 15.05.2020 war es soweit. Politiker*Innen der verschiedenen Parteien tauschten sich in 30 Minuten zum Thema Wasser und Sanitäts- äh, Sanitärversorgung aus.

Endlich sagt’s mal einer!

In der Aussprache wurde ein guter Überblick über die Notwendigkeit gegeben in WASH Themen aktiv zu sein. Verschiedene Beispiele aus der entwicklungspolitischen Praxis, Trends zu Mittelverwendung, einschlägige Zahlen und Zusammenhänge zu Durchfallerkrankungen, Kindersterblichkeit und Gendergerechtigkeit wurden zitiert und bis auf einen Redebeitrag eines AFD Politikers war die Debatte durch eine hohes Level an Informiertheit und Einigkeit geprägt.

Klar wurde, dass ein Commitment in Richtung von noch mehr Aktivitäten und Investitionen in WASH wichtig und vor dem Hintergrund von Fluchtbewegungen, Klimawandel und einer herausfordernden Prognose der Zielerreichung des Sustainable Development Goals 6 absolut notwendig sind. 

Im Anschluss erfolgten zwei Abstimmungen. Dem Antrag Wasser- und Sanitärversorgung für alle nachhaltig gewährleisten“ von den Koalitionsparteien CDU/CSU und SPD wurde zugestimmt. Dem Antrag Das Menschenrecht auf Wasser konsequent umsetzen – Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitärversorgung als wichtige Säule in der Entwicklungszusammenarbeit ausbauen der Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wurde nicht zugestimmt.

Hier sind der Antrag von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU/CSU und SPD nachzulesen.

Unser Kommentar zu Forderungen aus dem Gewinner-Antrag von CDU/CSU und SPD:

19. den Sektor der Sanitärversorgung in multilateralen Prozessen und Programmen der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit zu fördern und zur Enttabuisierung des Themas beizutragen

Wir sind ebenfalls der Meinung, dass Thema Sanitärversorgung muss stärker in derartigen Prozessen/Programmen gefördert werden. Trinkwasserversorgung ist wichtig! Aber ohne gute Sanitärversorgung kann nur schwer und nachhaltig für sauberes Trinkwasser gesorgt werden. Was die Forderung nach Enttabuisierung angeht, freuen wir uns sehr, dass das Wort kacken nun endlich euch prominent im Deutschen Bundestag angekommen ist.

20. sich dafür einzusetzen, dass der Sanitärbereich als Geschäftsfeld begriffen wird, und darauf hinzuwirken, dass menschliche Ausscheidungen gemäß dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft mittels produktiver Sanitärsysteme als Ressource genutzt werden

Habt ihr auch einen Kloß der Rührung im Hals? Ist das nicht das allergeilste? Ich mach mir jetzt erstmal n Bier auf. Im Ernst, das ist seit 2013 Goldeimers Vision und wir verfolgen diese stringent-stupide. Ein ganz wichtiger Meilenstein wird die Veröffentlichung der DIN SPEC 91421 sein (Juli 2020) an der wir tatkräftig mitgearbeitet haben. Einer DIN SPEC zu Zwecken der Qualitätssicherung von Düngern aus menschlichen Fäkalien. Bäm! Stay tuned, für weitere Infos.

21. sich dafür einzusetzen, dass Menstruation enttabuisiert wird, so dass Frauen nicht auf dieser Basis stigmatisiert oder von gesellschaftlicher Teilhabe sowie aus Bildungssystemen ausgeschlossen werden

Sanitärversorgung und Menstruationshygiene sind untrennbar miteinander verbunden. Wir freuen uns sehr, dass mittlerweile nicht mehr nur endlich die Verbindung zwischen Trinkwasser- und Sanitärversorgung hergestellt wird, sondern eben auch dieser wichtige Aspekt von Gendergerechtigkeit.

Die Debatte lässt sich hier nachsehen und nachhören: