Die Deutschen und das Klopapier

Das wohl langweiligste, monotonste, seit Jahrzehnten in seiner Form und Aufmachung unverändertste Produkt der Supermarktgeschichte steht seit mittlerweile zwei Wochen im Fokus der Begierde der westlichen Welt.

Eins verstehen wir noch nicht: Warum?

Auf einmal spricht die ganze Welt über Klopapier. Selbst die Tagesschau zitiert Mark Rutte, den Ministerpräsidenten der Niederlande, wie er sagt, dass die Niederlande ein Jahrzehnt scheißen könne, ohne dass das Papier ausgeht. Andy Yap, Sozialpyschologe an der INSEAD in Singapur, sagt, “dass Menschen bei einem Kontrollverlust mehr funktionelle Produkte kaufen. Produkte also, die ihnen helfen, Probleme zu lösen. Das sind vor allem Produkte, die ihnen helfen, die Kontrolle wiederzuerlangen.” Christopher Lauer (ehemaliger Politiker) hat eine andere Vermutung: „Ganz Schland in seiner analen Phase“, schreibt er auf Twitter. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo in der Mitte.

Nun ja, die Regale sind leer und statt einer Stradivari werden unsere Enkelkinder in einigen Jahrzehnten vermutlich einen Jahresvorrat Klopapier auf den Dachböden der Republik entdecken, die verstörend an die Tage im März 2020 erinnern. Der Run auf Toilettenpapier in den vergangenen Tagen ist auch an uns nicht spurlos vorbeigegangen. Unser kleiner Online-Shop ist seit über einer Woche ausverkauft, wir kriegen Fotos von leeren Regalen zugeschickt und über Whatsapp und Telegram kommen Klopapier-Memes im Minutentakt reingeflogen.

Das sind die drei wichtigsten Fragen, die es derzeit zu klären gilt:

  1. Wann gibt es wieder Goldeimer Klopapier?
  2. Hat Goldeimer nun Millionen mit Klopapier verdient und kann endlich überall Toiletten bauen?
  3. Wie geht es weiter mit Prinz Harry und Meghan?

1. Wann gibt es wieder Goldeimer Klopapier?

Seit vergangener Woche sind die Vorräte in unserem Online-Shop abverkauft und auch in vielen Filialen in ganz Deutschland ist unser soziales Klopapier mittlerweile vergriffen. Einerseits stimmt uns das natürlich freudig, da viele mit unserem Konzept neu in Berührung kommen und hoffentlich zu treuen, langfristigen Unterstützern unserer Vision “Alle für Klos! Klos für Alle!” werden. 

Andererseits können treue Unterstützer ihren Allerwertesten derzeit nicht mit dem Klopapier ihres Vertrauens abwischen. Denn produziert wird erst wieder Anfang April. Unsere Freunde von WEPA geben momentan alles, um die gesteigerte Nachfrage nach Toilettenpapier in ganz Deutschland zu bedienen. 

Da das Goldeimer Klopapier wesentlich früher als kalkuliert abverkauft wurde, gibt es daher Verschiebungen in der Produktion und wir müssen alle einen Moment innehalten, tief Luft holen und geduldig sein, bis es weitergehen kann. Die Wartezeit überbrücken wir mit nostalgischen Produktionsvideos unseres Klopapiers. Zu einer Zeit, als in Deutschland noch nicht so viel gekackt wurde:

2. Hat Goldeimer nun Millionen mit Klopapier verdient und kann endlich überall Toiletten bauen?

Unsere Umsätze haben sich im März tatsächlich verdoppelt. Da uns im Run auf Klopapier allerdings schon bei Kilometer 20 die Luft ausgegangen ist, konnten die vielen Hamsterkäufer*innen leider zuletzt kein Goldeimer Klopapier mehr kaufen und für die Folgegeneration im Keller bunkern. Weiterhin möchten wir an folgendes physikalisches Gesetz erinnern: Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel. Es kann nur soviel gekackt werden, wie auch gegessen wird. 

Die Grenzen unserer Aufnahmekapazität sind weitläufig bekannt, daher gehen wir in den kommenden Monaten von keinem gesteigerten Klopapier-Konsum aus. Die Nachfrage wird in nächster Zeit bundesweit entsprechend abflachen und vermutlich für längere Zeit unter dem sonst üblichen Durchschnitt verlaufen. 

Finden wir das schlimm? Nein. Dank der Hysterie auf Toilettenpapier hatten wir in den vergangenen Tagen zum einen ein fantastisches Unterhaltungsprogramm auf sämtlichen Kanälen, konnten unseren lange vor uns hergeschobenen Klopapier-Rechner veröffentlichen und auf ein Problem hinweisen, das üblicherweise vielen Menschen am Arsch vorbei geht: 4,2 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu gesicherter Sanitärversorgung. Sie haben nicht nur kein Klopapier, sondern auch kein Klo, keine Klotür, keine Seife, kein Waschbecken und keine Wendy zum Lesen. Was zum einen dazu führt, dass noch immer viel zu wenig Menschen wissen, dass die Mutter von Wendys Cousine Vanessa eine Schönheitsfarm leitet, und zum anderen, dass über 800.000 Kinder jährlich an den Folgen von vermeidbaren Durchfallerkrankungen sterben

Wir hoffen, dass durch den Klopapier-Hype einige Menschen mehr verstanden haben, wie wichtig der Zugang zu gesicherter Sanitärversorgung ist und sich in Zukunft für das soziale Klopapier im Regal entscheiden. Wir können eine Menge bewegen – sogar im Sitzen!

3. Wie geht es weiter mit Prinz Harry und Meghan?

Nach dem erfolgreichen Megxit und der Auswanderung nach Kanada verweigerten die beiden Skandalnudeln dem Pöbel zuletzt sogar ein Foto von Baby Archie – und das zum britischen Muttertag. Experten streiten derzeit, ob es wirklich der Schutz der Privatsphäre ist oder Restriktionen der Queen hier als Ursache angeführt werden können. Seit der Schließung der Kita steht in Großbritannien jedenfalls der Haussegen schief und auch die Queen muss sich derzeit auf neue Wege einstellen.

In diesem Sinne: Bleibt Sauber!

Eure Goldeimer