Vom Klo ins Beet: Düngen mit Trockenklo-Inhalten

Im Kleingarten sind keine Spülklos erlaubt – nicht nur deshalb sind Trockentoiletten hier sehr beliebt. Mit einem Trockenklo als Sanitärlösung kannst du aus den eigenen Ausscheidungen hervorragenden Dünger herstellen, den du wiederum im Garten als Nährstoffboost für deine Pflanzen verwenden kannst. In unseren vorherigen Beiträgen haben wir schon erklärt, wie du Trockenklo-Inhalte richtig kompostierst und durch den Fermentationsprozess sogar sogenannte Terra Preta herstellen kannst. Nun möchten wir dir ein paar Infos an die Hand geben, was du mit den erzeugten Düngern alles machen kannst.

Mit diesem Schritt schließt du einen Kreislauf. Erst hast du gegessen, dann (in ein Trockenklo) gekackt und jetzt verhilfst du neuen Bäumen und Pflanzen zu erstklassigem Wachstum mit dem Dünger, den du aus den Klo-Inhalten produziert hast. Wie wunderbar ist das?

Durch das Einarbeiten von Kompost bekommt der Boden nach und nach einen höheren Humusanteil. Dieser ist wichtig für alle Bodenlebewesen wie Bakterien, Algen, Pilze, Asseln oder Regenwürmer – aber auch für die Bodenfruchtbarkeit und die bedarfsgerechte Bereitstellung von Nährstoffen für die Pflanzen. Allerdings wirst du merken, Kompost macht viel aus – aber eben nicht alles. Ebenso wichtig ist es, dafür zu sorgen, dass auch schneller verfügbare Nährstoffe hinzugegeben werden, gerade in der Wachstumssaison. Das heißt im Klartext: Düngen. Am besten mit deinem eigenen NPK-Dünger aus Urin. Wie du Urin verwertest und als Dünger nutzt, erklären wir dir hier.

Ein Hinweis vorweg

Damit die Fermentation und Kompostierung sauber ablaufen und eine Hygienisierung stattfindet, musst du einige wichtige Punkte beachten – all das kannst du in unseren Beiträgen (Fermentation / Kompostierung) genau nachlesen. Unsere Empfehlung ist es, nur Zierpflanzen und Obstbäume und -sträucher so zu düngen. Und nun weiter im Text.

Warum Urin mehr kann als gelben Schnee zu machen

Urin ist spannend. Er ist per se keimfrei und enthält gleichzeitig den Großteil der von uns ausgeschiedenen Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium. Das sind die wichtigsten Pflanzennährstoffe. Man kann also ganz selbstbewusst sagen, dass wir einen flüssigen Volldünger ausscheiden.

In der konventionellen Landwirtschaft und manchmal auch im Kleingartenbereich wird allerdings oft synthetischer, ressourcenschädigender Volldünger verwendet. Nach Berechnungen der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA) könnten in Deutschland bei konsequenter Nutzung von kreislauforientierten Sanitärsystemen (wie z.B. dein Trockenklo) 17 – 25 % dieser Dünger ersetzt werden. Motivation genug also, um Trockentoiletteninhalte zu verwerten!

Ich habe gepinkelt – was jetzt?

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, Urin 6 Monate in einem geschlossenen Gefäß, z. B. einem ausgedienten 20 l Kanister, zu lagern. Das Enzym Urease sorgt dafür, dass im Urin ein Abbauprozess startet, bei dem sich der pH-Wert in ein basisches Milieu verschiebt. Falls dein Urin Keime enthalten sollte, werden diese abgetötet, da sie im basischen pH-Bereich nicht überleben können. Es gibt zwei Möglichkeiten, Urin zu sammeln und zu verwerten – je nachdem, welche Variante du wählst, hast du zwei unterschiedliche Endprodukte, die du unterschiedlich einsetzen kannst. Beide sind klasse.

Variante 1: Du sammelst Urin pur in einem Trenneinsatz

Fülle den Urin aus deinem Trenneinsatz in einen geschlossenen Kanister um und lager ihn dort für mindestens 6 Monate. Wenn der Personenkreis der Urinspender*innen bekannt und gesund ist, dann kann der Urin auch kürzer gelagert oder in verdünnter Form direkt ausgebracht werden. Je nach Nährstoffbedarf deiner Pflanzen verdünnst du 1l Urin mit 10 – 20 l Wasser. Wie du den Dünger einsetzt, erfährst du weiter unten.

So vermeidest du Ammoniakbildung im Kanister: Zur Vermeidung von Ammoniakbildung im Kanister kannst du eine Fermentation starten. Für 1 l Urin mischst du 30 g Zucker oder Sirup mit 30 g Goldeimer »EMs«. Das entspricht jeweils ca. zwei Esslöffeln pro Liter Urin. Bei einem größeren Gefäß nimmst du entsprechend mehr. Zuerst füllst du den Zucker und die »EMs« in den Kanister. Abwechselnd wird nach und nach Urin hinzugegeben und geschwenkt, bis der Kanister befüllt ist. Nebeneffekt dieser Fermentation ist, dass der Urin mehr Stickstoff in pflanzenverfügbarer Form enthält und somit ein besserer Dünger wird. Die Nase ist hierbei wieder das beste Labor. Wenn die Fermentation gelingt, riecht es leicht säuerlich. Läuft etwas falsch, riechst du einen stechenden Uringeruch. Mit etwas mehr von dem Sirup-EM-Gemisch kannst du dann erneut versuchen, nachzusteuern.

Variante 2: Du sammelst Urin mit Goldeimer »Kackpulver«

Wenn du den Trenneinsatz mit Goldeimer »Kackpulver« gefüllt hattest und dieser nun vollgepischert ist, kannst du den Inhalt einfach auf deinen Kompost geben. Zur Hygienisierung muss das Gemisch mindestens 6 Monate kompostiert werden. Die angereicherte Pflanzenkohle ist ein wunderbarer Zuschlagstoff für die Kompostierung – dein fertiger Kompost wird also einen höheren Nährstoffgehalt aufweisen. Wie du den Kompost einsetzt, erfährst du ebenfalls weiter unten.

Ab in den Garten!

Manni bringt seinen Kompost im Garten aus und bereitet die Beete für die Saison vor. Sei wie Manni!

Den Pipi-Dünger im Garten nutzen

Nun geht es ans Eingemachte. So kannst du deinen NPK-Dünger aus Urin im Garten anwenden. Wenn du Urin in flüssiger Form gesammelt hast, kannst du während der Wachstumssaison düngen. Dafür solltest du den Urin im Verhältnis 1:20 mit Wasser verdünnen und dann mit der Mischung alle 2 Wochen gießen. 4 Wochen vor der Ernte solltest du nicht mehr mit Urin düngen. 

Alle zwei Wochen, bis 4 Wochen vor Ernte 

20 l Wasser, 1 l Urin

Mit Kompost die Beete vorbereiten

Bevor es im Frühjahr losgeht – ungefähr zwei Wochen vor Aussaat bzw. Pflanzbeginn – sollte dein Kompost ausgebracht und in den oberen 5 cm des Bodens eingearbeitet werden. Wenn du die Inhalte aus deinem Trockenklo ohne Fermentation kompostiert hast, kannst du bis zu 8 l pro Quadratmeter ausbringen. Bei Kompost mit Beimischungen aus der Fermentation oder Urin-getränktem Goldeimer »Kackpulver« reicht schon die Hälfte. Wenn du Urin in flüssiger Form gesammelt hast, kannst du (nach der Einarbeitung des Kompostes in den Boden) zusätzlich pro Quadratmeter Bodenfläche ca. 1 – 5 l unverdünnten Urin ausbringen. 

Der Kompost neutralisiert einen Teil der Gerüche des Urins, es kann aber sein, dass du bis zu 14 Tage lang ein bisschen Pipigeruch in der Nase hast. Wenn sich das legt, ist der Urin mineralisiert und die Pflanzung oder Aussaat kann beginnen. 

 Einmalig, 14 Tage vor Pflanzbeginn bzw. Aussaat 

3 – 8 l Kompost, 1 – 5 l Urin pro Quadratmeter 

Disclaimer

Bitte beachte, dass in Kleingärten die Nutzung von flüssigem Urin i.d.R. nicht gestattet ist. Die Kompostierung von mit Urin angereichertem »Kackpulver« ist von dieser Beschränkung allerdings nicht betroffen. Ebenfalls beachte bitte, ob deine Kleingartenanlage in einem Wasserschutzgebiet liegt. Hier ist eine Anwendung eines Trockenklos grundsätzlich nicht gestattet. Ggf. gelten zusätzlich andere Regelungen von deinem Verein, dem Landesbund oder von behördlicher Seite. Diese sind natürlich vorrangig zu beachten.

Diese Angaben sind grobe Orientierungen. Es gilt, ebenfalls die Bodenfruchtbarkeit, den Grad der Nährstoffversorgung in deinem Garten und natürlich die anzubauenden Pflanzen in die Düngeentscheidung einzubeziehen. 

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