Goldeimer in Äthiopien. Toiletten in Addis Abeba.

Wir sind mehrere Wochen auf Projektreise in Äthiopien. Warum? Um herauszufinden, ob unsere Festivaltoiletten auch an auf anderen Teilen der Welt sinnstiftend sein können. Seit Ende Dezember sind wir in Addis Abeba, Äthiopiens Hauptstadt.

“If it works for you at music festivals in Germany, it’s gonna work out here as well. In the end, we’re all humans and we all shit the same. Only the mindset has to change, that’s all”, sagt Yaye aus Addis Abeba zu uns, während wir uns über das Potential von Trockentoiletten in seinem Viertel unterhalten. “It is probably going to be the first dry toilet in the whole city”, so Yaye weiter.

Und deshalb sind wir seit Ende Dezember für knapp einen Monat mit einem kleinen Goldeimer-Team in Äthiopien unterwegs: Um herauszufinden, inwiefern unsere Goldeimerklos auch außerhalb der Festivalwelt eine echte Option sein können. Neben Latrinen, Septic Tanks oder der Kanalisation ist unsere ökologische “Container Based Sanitation”-Alternative nämlich noch weitestgehend unbekannt im internationalen Kontext.

Wie muss sich das Design der Toilette verändern? Wird die Toilette angenommen? Welche Rolle spielen Service und Logistik in der Stadt? Wie und wo kann kompostiert werden? Welcher Platz steht zur Verfügung? Welche Strategien gibt es bereits, um im städtischen und ländlichen Raum eine nachhaltige und ökologische Sanitärversorgung aufzubauen? Vor allem in einer Stadt, die sich innerhalb von 20 Jahren mehr als verdoppelt hat?

Viele Fragen, noch viel zu lernen.

Viele Fragen, mit denen wir nun losziehen, um zu lernen. Und um ganz im Sinne unserer Überzeugungen zu arbeiten: viel zuhören, kleine Fehler machen, langsam wachsen, viel ausprobieren.

In Äthiopiens Hauptstadt gibt es nur 200.000 Haushalte, die an die Kanalisation angeschlossen sind, und das bei mittlerweile mehr als 4,2 Millionen Einwohnern. Der Großteil der anfallenden Fäkalien wird in Septic Tanks gesammelt, regelmäßig abgepumpt und außerhalb der Stadt auf einer großen Deponie unbehandelt in die Umwelt entsorgt – und gelangt als Krankheitserreger über das Grundwasser und Flüsse zurück in die Stadt. Wer weder über einen Septic Tank verfügt, noch über eine Kanalisation, verrichtet sein Geschäft ohne Privatsphäre im Freien. Das Prinzip der Trockentoilette bzw. “Container Based Sanitation” ist in Addis Abeba noch weitestgehend unbekannt, so Yaye.

Ein Dorf, mitten in der Stadt.

Yaye ist 31, in Addis Abeba aufgewachsen, und einer von vielen Pionieren in der Stadt.Mit vielen jungen Menschen aus seiner Nachbarschaft hat er in den vergangenen Jahren mitten in Addis Abeba ein kleines Paradies aufgebaut. Es gibt mehrere Bienenstöcke, Permakulturbeete, eine Biogasanlage, eine kleine Schweine- und Rinderzucht und einen Hühnerstall, der bis zu 600 Eier am Tag produziert. Die Community versorgt sich mit der Farm selbst, verkauft die Überschüsse aber auch an anliegende Restaurants und Bäckereien. So entstehen Jobs und Beschäftigungsmöglichkeiten in einer Stadt, deren große Herausforderung die Jugendarbeitslosigkeit ist: 45% aller Äthiopier sind unter 15 Jahren alt.

In Yayes Viertel leben 3000 Menschen auf engstem Raum. Gemeinsam teilen sie sich 6 Community-Toiletten. Entsprechend lang ist morgens die Warteschlange, wenn ein Großteil der Bewohner morgens zur selben Uhrzeit vor der Arbeit nochmal auf Klo gehen muss. Das Abpumpen des unter den Toiletten liegenden Tanks ist teuer, regelmäßig laufen die Toiletten über und sorgen für Unmut in der Community.

Seit 2 Tagen sind wir nun mit Yaye unterwegs und haben seine Community aus Musikern, Künstlern und Stadtgärtnern kennengelernt. Sie wollen etwas im Kleinen verändern und haben vor über 6 Jahren bei sich in der Nachbarschaft angefangen: mit Urban Gardening, Waste Management und regelmäßigen Bildungsprojekten.

Gemeinsam Toiletten bauen – wir legen dann mal los.

Wir haben uns viel über Toiletten ausgetausch – Was geht? Was geht nicht? Was macht Sinn? Was macht keinen Sinn? – und zusammen den Entschluss gefasst, in den kommenden Tagen einen Goldeimer Prototypen vor Ort zu bauen um zu testen, inwiefern das Konzept auch inmitten einer Großstadt wie Addis Abeba funktionieren kann. Die nächsten Schritte sind Konstruktionszeichnungen, Materialbeschaffung, Bau, Übersetzungen der Nutzungshinweise, eine Kompostierstelle einzurichten und vor allem: den roten Teppich für das Klo auszurollen und einen wirklich schönen Ort zu schaffen. Es wird ein Experiment – aber vielleicht klappt ja auch in Addis Abeba, was auf dem Hurricane Festival funktioniert hat. In zwei Wochen wissen wir mehr.

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