Das eigene Trockenklo: Wie kompostiere ich richtig?

Yeah! Du gehörst zu den Menschen, die statt einer Chemie- oder Spültoilette lieber ein nachhaltiges, kreislauforientiertes Klo nutzen (wollen). Ob als mobile Lösung für deine Bustour nach Portugal, für dein Hausboot auf der Müritz oder dein tägliches Geschäft ohne Sorgen im Garten – cool, dass du das machst!

Kapitelübersicht:

1. Goldeimer: Klos und gute Laune

Wir bei Goldeimer haben vor acht Jahren angefangen, Trockentoiletten auf Festivals aufzustellen, um eine spaßige, saubere und nachhaltige Alternative zu den bisherigen Lösungen zu bieten – und, um auf die globale Sanitärversorgung aufmerksam zu machen. Als gemeinnütziges Unternehmen wollen wir die Vision “Klos für alle!” wahr werden lassen. Jede Arbeitsstunde und alle Gewinne fließen in weltweite WASH-Projekte, Bildungsarbeit und unsere eigene Forschung und Entwicklung zum Thema Nährstoffrecycling und kreislauforientierte Sanitärsysteme. Und da sind wir auch wieder bei den Trockentoiletten.

Wir haben dieses Jahr zwei neue Trockenklos an den Start gebracht – eins davon gemeinsam mit unseren Freund*innen von WERKHAUS. Für jeden Geldbeutel und Einsatzzweck gibt es jetzt von uns die passende Lösung: Das Trockenklo »Basic«, »Camper« oder »Premium«. Falls du also noch keine passende Klo-Lösung für deinen Garten oder Camper hast, freuen wir uns, wenn du unserem Online-Shop einen Besuch abstattest. Dort findest du alles, was du zum Kompostieren brauchst.

2. Warum ein Trockenklo?

Abb. 1: Unsere drei Trockenklos: Das Trockenklo »Basic«, »Camper« und »Premium«.

Es gibt viele Gründe, warum Trockentoiletten mancherorts sinnvoller sind als ihre Spül- oder Chemie-Pendants. Trockentoiletten brauchen weder Wasser- oder Abwasserleitungen noch chemische Sanitärzusätze. Sie schonen so nicht nur eine Menge Ressourcen, sondern ermöglichen dir auch noch, deine Hinterlassenschaften in nährstoffreiche Erde zu verwandeln, die du wiederum als Dünger für Zierpflanzen und Obstbäume bzw. -sträucher verwenden kannst. Klingt nach Win-Win? Ist es auch. Für die Pflanzen wichtige Nährstoffe werden nicht entsorgt, sondern für den Garten nutzbar gemacht – durch eine Kompostierung. Wie das geht, erklären wir hier.

3. Dampfende Kacke – Was ist Kompostierung?

Die Kompostierung ist ein natürlicher Prozess, bei dem organisches Material wie Grünschnitt, Küchenabfälle oder auch Inhalte aus Trockentoiletten durch (mikro-) biologische Aktivität abgebaut wird. Ziel unserer Kompostierung ist es, ideale Lebensbedingungen für die notwendigen Mikroorganismen zu schaffen. Die sorgen bei den richtigen Bedingungen dafür, dass der Kompost Temperaturen von 55 °C und mehr erreicht – und das ist für die Hygienisierung der Toiletteninhalte notwendig. Die richtige Zusammenstellung und Pflege deines Komposts ist also enorm wichtig.

4. Was musst du bei der Kompostierung beachten?

Bevor du loslegst: Du darfst in deinem Kleingarten Trockenkloinhalte kompostieren, sofern die Nutzung von Trockenklos nicht explizit verboten ist und sich dein Garten nicht in einem Wasserschutzgebiet befindet. Du musst sicherstellen, dass von deinem Komposthaufen keine Gefahr für Mensch und Umwelt ausgeht. Achte deshalb in jedem Fall darauf, dass kein Wasser aus dem Kompost ins Erdreich sickern kann und weder Tiere noch Kinder Zugang zu frischem Material bekommen können.

Wir empfehlen grundsätzlich, die Kompostierung von Trockenkloinhalten in separaten Kompostern durchzuführen. Außerdem solltest du den Kompost ausschließlich zur Bodenverbesserung in Zierpflanzenbeeten, an Obstbäumen oder -sträuchern nutzen, um ein mögliches Hygienerisiko durch suboptimale Kompostierung zu vermeiden. So oder so trägst du mit der Kompostierung dazu bei, Kreisläufe zu schließen. Damit das gelingt, sind ein paar Faktoren zu beachten.

Ideale Zusammensetzung und Art der Ausgangsmaterialien

Das Mischungsverhältnis ist eine wichtige Stellschraube beim Kompostieren. Wir schlagen ein 50/50-Verhältnis aus Trockenkloinhalten (Kot, Goldeimer »Kackpulver« oder ähnliche Einstreu, Klopapier) und Grünschnitt vor. Beim Grünschnitt ist wichtig, eine ausgewogene Mischung aus zerkleinertem strauchigem, strohigem und holzigem Material, frischem Grün- und Rasenschnitt und einem geringen Teil an Küchenabfällen zusammenzustellen. Das Mischungsverhältnis sollte natürlich auch immer entsprechend der lokal verfügbaren Rohstoffe und Konsistenz der Trockenkloinhalte angepasst werden.

Dauerhafte und ausreichende Sauerstoffversorgung

Die Mikroorganismen und Bodenlebewesen im Kompost brauchen Luft zum Atmen. Deswegen achte darauf, dass du genug strukturgebendes Material – wie kleine Äste oder Stroh – in die Kompost-Mischung einbringst. Wichtig nach dem Rasenmähen: Nicht den gesamten Rasenschnitt in einer Lage oder einer Ecke aufschichten. Das Material verrottet und verklebt sonst bereits nach wenigen Tagen, sodass die Sauerstoffzufuhr in dem Bereich unterbunden wird – das wollen wir auf keinen Fall. Vermisch‘ den frischen Rasenschnitt deshalb immer gut mit Material, das die Sauerstoffzufuhr begünstigt.

Zu feucht? Zu trocken? Faustprobe!

Der Kompost darf beim Aufsetzen nicht zu feucht und nicht zu trocken angemischt sein. Beides sind ungemütliche Bedingungen für die Mikroorganismen. Ob du richtig liegst, kannst du mit der Faustprobe ermitteln. Ziehe dir aus hygienischen Gründen Gummihandschuhe an, nimm eine Handvoll von deinem frisch aufgestetzten Kompost und drücke ihn fest zusammen. Wenn ein paar Tröpfchen herauskommen, ist alles gut. Wenn gar nichts tropft, ist der Kompost zu trocken – dann solltest du ihn etwas gießen. Wenn mehr Flüssigkeit herausläuft, dann ist der Kompost zu feucht. In diesem Fall am besten Stroh oder anderes trockenes Material untermischen. Grundsätzlich gilt: Den Komposthaufen lieber etwas zu trocken, als zu feucht aufsetzen.

Mineralische Substanz

Ein Zusatz von mineralischer Substanz (z. B. Lehm oder Gesteinsmehl) wirkt sich positiv auf die Humusbildung aus. Füge also gerne Gesteinsmehl beim Aufsetzen des Komposts hinzu. In unserer Trockenklo-Einstreu – dem Goldeimer »Kackpulver« – ist schon Gesteinsmehl enthalten und du kannst auf einen weiteren Zusatz verzichten. Die mineralischen Substanzen haben eine besonders große spezifische Oberfläche. Dadurch verbessert sich das Wasserspeichervermögen des Kompostes, es wird geeigneter Lebensraum für notwendige Mikroorganismen bereitgestellt und die Bildung von Ton-Humus-Komplexen gefördert. Sandiges Material hat weniger Einfluss.

5. Schritt für Schritt: Kompostierung von Trockenkloinhalten

Abb. 2: Manni gräbt den Kompost im neuen Garten um. Hier sollen bald auch Trockenkloinhalte mit kompostiert werden.

Du weißt jetzt, was du in der Zusammenstellung und Pflege des Komposts alles beachten musst. Jetzt geht’s ans Eingemachte. Hier kommt die Anleitung, wie es mit der Kompostierung klappt. Die Kompostierung wird in drei Phasen eingeteilt und dauert nach Empfehlungen der WHO mindestens zwei Jahre. Das bedeutet nicht, dass du nur einmal in zwei Jahren top Humusdünger hast – parallel legst du immer wieder neuen Kompost an, um nach der ersten Kompostierung kontinuierlich Humusdünger für deine Zierpflanzenbeete, Obstbäume und -sträucher zur Verfügung zu haben.

Phase 1: Vorbereitung und Sammeln von Material

Für das Sammeln des Materials benutzt du am besten einen geschlossenen Komposter (z.B. ein Thermokomposter aus dem Baumarkt oder Marke Eigenbau), sodass Tiere und Kinder keinen Kontakt zu frischem Material haben und kein Regenwasser eindringen kann. Bevor du den Komposter mit Trockenkloinhalten befüllst, streue zerkleinertes, holziges, strauchiges und strohiges Material als Basis ein. Nun kannst du die Inhalte des Klo-Eimers in den Komposter schütten und mit Grünschnitt und anderer Biomasse etwas abdecken – etwa so wie beim Lasagne machen. Wenn du unseren Goldeimer »Schietbüdel« in deinem Trockenklo benutzt, dann kannst du den einfach mit kompostieren – die Beutel bestehen aus Maisstärke und zersetzen sich auch im heimischen Kompost.

Phase 2: Vorbereitung und Sammeln von Material

Wenn dein Komposter gefüllt ist, geht es in Phase 2. Die Rotte findet über 6 Monate in dem geschlossenen Komposter statt. Nun heißt es: Ruhen lassen. Deine Arbeit ist fürs Erste getan – jetzt gehen die Mikroorganismen ans Werk und es entstehen Temperaturen von 55°C und mehr. Nach den sechs Monaten der Rotte erfolgt die Umschichtung auf den Komposthaufen und Phase 3 beginnt.

Phase 3: Die Vererdung

Nach den 6 Monaten in der Rotte erfolgt das Umschichten auf einen separaten Komposthaufen – oder bei größerem Volumen auf eine Miete (langgezogener Haufen). Die Höhe sollte 1 m nicht überschreiten. Das Material wird dabei gut durchmischt. Der Kompost sollte Kontakt zum Boden haben. So können Bodenlebewesen wie Regenwürmer oder Asseln besser ihrer tollen Arbeit – der weiteren Zersetzung – nachgehen. Decke den Kompost mit einem Kompostvlies ab. Folie ist ungeeignet, da sie zu wenig Sauerstoff durchlässt. Der Prozess der Vererdung dauert weitere 18 Monate.

6. Ergänzende Hinweise

Mehr Kapazität: Du kannst dir einen geschlossenen Komposter mit mehreren Kammern zulegen. Dann kannst Du mehrere Chargen versetzt nacheinander kompostieren. Das entzerrt das Ganze etwas und erhöht die Kapazität deines Setups.

Temperaturüberwachung: Wenn du in Phase 2 die Temperatur im Komposter überwachen möchtest, kannst du dir ein einfaches Einstichthermometer kaufen und es in den Kompost pieksen. Wundere dich nicht – die Mikroorganismen brauchen ein paar Tage, um anfangs aktiv zu werden. Dann sollte die Temperatur auf rund 55°C oder mehr ansteigen und diese Temperatur auch möglichst zusammenhängend über mindestens 2 Wochen halten. Nach 12 Wochen wird nahezu nur noch Umgebungstemperatur erreicht.

Fäulnis: Die Nase ist das beste Labor. Wenn du Fäulnisgerüche wahrnimmst, dann läuft etwas nicht richtig. Schaue dir die Prozesse nochmal genau an und überlege, wo etwas angepasst werden könnte. Kommt zu viel oder zu wenig Sauerstoff an den Kompost? Stimmt der Wassergehalt? Ist der Gehalt an leicht verfügbarem Kohlenstoff durch Grünschnitt und Stroh zu gering? Ist zu viel holziges Material dabei? Zu viel Rasenschnitt, der zusammen klebt und die Sauerstoffversorgung unterbindet?

Reinigung von Eimer und Gartengeräten: Du kannst mit einem DIY-Allzweckreiniger (Rezepte mit Essig, Zitronensäure und ätherischen Ölen findest du im Internet), ein wenig Wasser und einer Toilettenbürste über dem Komposthaufen alle verschmutzten Komponenten deines Trockenklos reinigen. Handschuhe tragen und danach gut Hände waschen ist Pflicht.

Wenn du es bis hierhin geschafft hast: Respekt. Du bist nun bereit für deine eigene Kompostierung. Wir wünschen dir viel Erfolg und ganz viel Spaß dabei! Falls du hier aus Interesse schon mal reingelesen hast, dir aber noch das Material zum Kompostieren und die passende Toilette dafür fehlen, dann schau doch mal in unserem Online-Shop vorbei. Dort gibt es auch Startersets, die dir den Einstieg ins Trockenklo-Business ganz leicht machen.

Wenn du Feedback hast, kleine Tipps oder Hacks mitteilen möchtest, mit denen du gute Erfahrungen gemacht hast, oder Fragen zur Kompostierung hast, dann schreibe uns gerne über unser Kontaktformular.

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