Die kleine Geschichte vom großen Geschäft: Behind the Scenes

Werfen wir mal einen kleinen Blick hinter die Kulissen unseres neuen Buchs „Die kleine Geschichte vom großen Geschäft“. Wir machen eine Reise von der Urzeit bis ins Weltall – was steckt hinter den Kurzgeschichten? Wir haben mal etwas zusammengeschrieben…

Toiletten – von der Steinzeit bis zur ISS

Steinzeit

Schon vor 5.000 Jahren gab es bereits Klos. Bei archäologischen Untersuchungen in Ruinen in Schottland konnte anhand unterschiedlicher Phosphatwerte im Boden rekonstruiert werden, dass der Wohnbereich klar vom Klo abgetrennt war. Das Klo befand sich demnach zumeist unter dem Dachüberstand draußen an der Hauswand.

In Indien gab es ebenfalls schon im dritten Jahrtausend vor Christus Klos zum Sitzen. An den Außenwänden der Häuser waren Abflüsse installiert, welche direkt zu Entwässerungsgräben auf die Straße führten. Auch von den Sumerern aus dem heutigen Irak, den alten Ägyptern und den Kretern ist überliefert, dass Klos dort bereits vor gut 4000 Jahren bekannt waren.

Römisches Reich und andere Hochkulturen

Die Hochkultur des Klos herrschte im antiken Rom. Im durchschnittlichen römischen Zuhause bestand das Klo aus einem einfachen Fass. In besser betuchten Haushalten befanden sich hingegen bereits richtige Privatklos. Die meisten Menschen benutzten allerdings die durchaus geselligen und öffentlichen Latrinen. Die römischen Prachtklos boten bis zu 60 Personen gleichzeitig Platz und geizten nicht mit Mosaiken, Fußbodenheizung, verzierten Säulen und Marmorsitzen. An einem angemessenen Maß an Privatsphäre mangelte es jedoch meistens. Häufig fiel die Kacki direkt in einen Wassergraben unter den Klos, welcher in die Cloaca Maxima, den größten Abwasserkanal Roms, führte.

Zur Analhygiene nutzten die Römer entweder ihre Finger oder auch einen Stock, an welchem ein kleines, in Salzwasser getränktes Schwämmchen befestigt wurde.

Mittelalter

Die Rolle Rückwärts machte das Klo im Mittelalter. Weitläufige Meinung der Bevölkerung war, es gäbe wichtigeres als Hygiene, sodass diese ihre Nachttöpfe wieder auf der Gasse entleerte.

Öffentliche Toiletten waren quasi nicht vorhanden. In freistehenden Gebäuden wie Burgen oder Klöstern gab es am Außenwall sogenannte Abort-Erker mit einem Fallschacht direkt ins Freie. Eine weitere Ausführungsform waren hölzerne Aborte, welche wie Schwalbennester an der Gebäudefassade angebracht waren.

Auch in Wohnhäusern gab es diese Erker, deren Öffnung wahlweise über einem Fluss, freiem Gelände oder über der Gasse lag.

Zur Hygiene nach dem Toilettengang dienten im Mittelalter Leinwandfetzen oder Werg. Alternativ behalf man sich, vor allem in ländlichen Gegenden, mit Stroh und Laub.

Abtritterker Marschiertor Aachen

Der Französische König

Auch in der Neuzeit existierte in Sachen Klokultur noch erheblicher Nachholbedarf. Sowohl das einfache Volk wie auch der Adel zeigten kaum Verhaltensänderungen und verrichteten ihre Notdurft im Freien. Selbst am Hof von Louis XIV in Versailles gab es bei 2.000 Zimmer lediglich ein Klo. Stattdessen galt es als angebracht, Kackstühle zu benutzen, auf welchen der König selbst bei Empfängen zu sitzen pflegte und erst Ende des 19. Jahrhunderts durch das weiterentwickelte „Thrönchen“ aus verziertem Porzellan mit reichlicher Verzierung tauschte.

Nach dem ausgiebigen Stuhlgang nutzte insbesondere die Mätresse des französischen Sonnenkönigs Schafwolle zum abputzen. In den Kloaken alter Schlösser und den Fäkaliengruben wohlhabender Bürgerhäuser fand man später auch Stoffdeckchen.

Dünger

Nährstoffe aus dem Boden werden von den Pflanzen aufgenommen und bei der Ernte vom Feld getragen. Ohne externe Düngung ist der Boden daher nach ein paar Ernten ausgelaugt.

In China wurde dies schon vor mehreren Tausend Jahren entdeckt. Menschliche Exkremente wurden dort gesammelt und auf den Feldern verteilt. In der europäischen Literatur wird die Düngung das erste Mal in Homers Werk „Odyssee“ im 8. Jahrhundert vor Christus erwähnt. Darin verteilte im Wirtschaftshof des Odysseus ein Misthaufen seine Gerüche, bis Knechte diesen auf die Felder verteilten.

Entstehung des Spülklos

Um 1589 entwickelte der Engländer John Harington das erste Klo mit Wasserspülung. Damals war dies noch ein sehr komplizierter Apparat mit vielen beweglichen Teilen. Queen Elizabeth I. ließ sich diese Variante des Klos schon bald in ihr Schloss einbauen. Das allgemeine Interesse an der neuartigen Entwicklung allerdings fehlte. Erst 200 Jahre später verbesserte Alexander Cummings dieses Modell und löste mit der Erfindung des Siphons auch das Geruchsproblem.

Mit der Entwicklung des Spülkastens 1877 setzte sich das Spülklo endgültig durch und veränderte sich seitdem kaum noch in Europa.

Ein aufkommender Trend aus Asien ist jedoch die Toilette mit eingebauter Dusche zur Analhygiene. Besonders beliebt sind die sogenannten „washlets“ in Japan, wo sie bereits 1980 eingeführt und so weit entwickelt wurden, dass sogar Temperatur und Druck des Wasserstrahls und die Temperatur der Klobrille regelbar sind.

ISS

Nur wie funktioniert das Klo eigentlich im Weltraum? Damit auch da nichts daneben geht oder irgendwo unkontrolliert herum schwebt, musste das Klo stark modifiziert werden. Das Klo ist vergleichbar mit einem Traktorsitz mit einem Loch in der Mitte, welches ungefähr den Durchmesser einer Faust hat. Mit zwei stoffbezogenen Bügeln werden die Oberschenkel nach unten gedrückt. Mit Unterdruck wird alles nach unten in einen Hohlraum getragen, wo ein Filter die Feuchtigkeit herausfiltert. Zusätzlich gibt es einen Tank, der Urin aufnimmt. An Bord der ISS gibt es eine Aufbereitungsanlage, die den menschlichen Urin wieder zu Trinkwasser aufbereitet. Pipi wird im Weltall also recycelt. Wieso also eigentlich nicht auch hier auf der Erde?

Literatur: